"Verzichte auf Plastiktüten, so oft es geht. Lies einem Kind eine Geschichte vor. Dreh eine Energiesparlampe rein. Pflanz einen Baum. Verbringe Zeit mit einer anderen Generation. Beweg dich." Das klingt alles so einfach. Diese Vorschläge stammen aus dem Buch Einfach die Welt verändern – 50 kleine Ideen mit großer Wirkung . Der Band wird von der Organisation "We are what we do" herausgegeben. Sie kommt aus England und verspricht eine Gemeinschaft zu sein, "nicht von Mitläufern, sondern von unabhängig Handelnden, die das gleiche Ziel haben und Fragen beantworten, die wir alle beantwortet haben wollen." Und sie lädt mich ein, Teil dieser Gemeinschaft zu werden.

Als ich es vergangenes Jahr zum ersten Mal las, hatte ich genug anderes zu tun und lehnte dankend ab. Die Welt retten? Du bist doch so schon völlig überfordert, steckst ständig selbst im Schlamassel, sagte mein Verstand. Dafür hast du keine Zeit, schreib lieber endlich deine Hausarbeit zu Ende und reparier deine Handbremse, schaltete sich der Terminplaner in meinem Kopf dazwischen. Und selbst wenn du Zeit hättest: Das bringt doch nichts. Die großen Fragen dieser Welt wirst du sowieso nicht beantworten können, sagte mir mein Verstand wieder, daran sind schon so viele vor dir gescheitert.

Vor kurzem, auf einer Geburtstagsfeier, fiel mir das Buch wieder in die Hände. Diesmal blätterte ich nicht nur darin herum, sondern verschlang es stattdessen inmitten der Partygesellschaft. Es liest sich wie der IKEA-Katalog von 2010. Bloß geht es darin nicht um Möbel, sondern um Möglichkeiten, die Welt zu retten. Sie erscheinen plötzlich unglaublich attraktiv. Auf einmal möchte ich meinen Stromanbieter wechseln. Ich möchte keinen Kaugummi mehr auf die Straße spucken und nie mehr das Wasser beim Zähne putzen laufen lassen. Ich möchte der Welt etwas Gutes tun.

Seit diesem Buch hat sich mein Leben verändert. Wenn mir auffällt, dass die Leute alle gehetzt von einem Termin zum nächsten rennen, dann gehe ich einen Schritt langsamer. Ein Fernseher steht schon lange nicht mehr in meinem Zimmer, stattdessen habe ich mir zum Geburtstag ein neues Spiel gewünscht. Mein Obst und Gemüse kaufe ich auf dem Markt, es kommt aus der Region. Und neben meinem Schreibtisch steht ein kleiner Karton, in dem ich Schmierpapier sammle. Ich habe es sowieso schon immer gehasst, Altpapier zum Container zu bringen.

"Häng deine Bilder um. Bleib die ganze Nacht wach. Wisch Staub. Rasier irgendwas ab."