In Kairo ist Buchmesse und Deutschland ist dieses Jahr Ehrengast. Ich bin auch eingeladen, um die deutsche Literatur zu vertreten und sitze eines Nachmittags mit einigen anderen Autoren auf einem Podium auf der Messe und wir sollen die eine oder andere hochwichtige literarische Frage erörtern. Am Abend desselben Tages spielt Ägypten im Africa Cup gegen Marokko und aus diesem Grund darf nach zwölf Uhr mittags niemand mehr auf das Messegelände. Das ist der Grund, den sie uns nennen, wie das logisch zusammenhängt, weiß ich nicht. Zu dem vorherigen Ägyptenspiel ist die Messe wohl ganz geschlossen worden, weil der Präsident sich das Spiel im Stadion anschauen wollte. Möglicherweise werden Fußballplätze gesperrt, wenn der Mann zu Hause ein Buch liest.

Es sind nur wenige Zuschauer da und ich habe freien Blick auf die verglaste Kabine des Simultanübersetzers. Wenn er vom Arabischen ins Deutsche übersetzt, kann ich sehen, wie seine Lippen sich bewegen und den konzentrierten Ausdruck in seinen Augen kann ich zumindest erahnen. Wenn er vom Deutschen ins Arabische übersetzt, dann redet sein ganzer Körper. Seine Arme bewegen sich, als wolle er das Gesagte gestikulierend veranschaulichen. Auch seine Mimik wird leidenschaftlicher. Unser Übersetzer steht mit dem Gesicht zu uns in seiner Kabine und sein Körper spricht, als würde er vom Publikum mehr sehen, als nur Rücken.

Egal wie steif wir da sitzen, während wir wichtige Worte von uns geben, der Dolmetscher hebt die Wörter mit seinen Händen an und gibt ihnen einen Schubs, bevor er sie in die Welt hinausschickt. Das gefällt mir. Es gefällt mir, weil wir gerade so tun, als hätten wir etwas Wichtiges zu sagen, während unsere Arbeit eigentlich darin bestehen sollte, Worten Schwung zu verleihen.