Vor etwa zwanzig Jahren war es für mich noch ganz leicht, die Pogues tourten unermüdlich, etwa einmal im Jahr kaufte ich eine Konzertkarte im Vorverkauf und fuhr damit nach Hause, glücklich. Es konnte nichts mehr schief gehen, die Karte war die Garantie auf einen grandiosen Abend. Nie, nie wurde ich enttäuscht, auch wenn Shane MacGowan kaum mehr stehen konnte oder die unsäglichen Fury in the Slaughterhouse Vorband waren, das tat der Musik, meiner Stimmung und der Party keinen Abbruch. Es roch nach Schweiß, Qualm, verbrauchter Luft, nach Haarspray und verschüttetem Bier. Wir sprangen herum, Körper rieben sich an Körper und wir sangen aus vollem Hals mit. Wenn wir aus der Konzerthalle kamen, war ich verschwitzt, angetrunken, selig. Es funktionierte jedes Mal. Und es gab noch einige andere Konzerte, Platten und Bücher, die für mich ein Garant für ein überwältigendes Erlebnis waren.

Ich wurde älter, Shane MacGowan trennte sich von den Restpogues, und ich fand mich bei Konzerten von Bands, die ich eigentlich mochte, schon mal in den hinteren Reihen wieder, einfach, weil mich die Show nicht mitriss. Ich war einer von den alten Säcken, die hüftsteif hinten herumstehen und die ich früher immer verachtet habe. Heute gehe manchmal schon vor der Zugabe.

Auf Konzerten bin ich ja nicht mehr so oft, ich kaufe mir aber mehr Bücher und Alben als früher. Doch es gibt selten Veröffentlichungen, die für mich eine Garantie beeinhalten, die Garantie, daß das Produkt mir zu einem Fest werden wird. Was es manchmal glücklicherweise trotzdem tut.

Aber heute, der 7. April 2006, ist der Tag, an dem das neue Streetsalbum erscheint. Und ich habe es mir gekauft. Die ganze Woche habe ich mich schon darauf gefreut. Es kann gar nicht schlecht sein, habe ich gedacht, endlich mal wieder eine Garantie, wie kann man nach zwei – zumindest für mich – überragenden Alben ein drittes in den Sand setzen? Und selbst wenn es mich am Ende nicht überzeugen sollte: Es ist toll morgens um zehn im Laden zu stehen, noch zwei andere Menschen zu sehen, die die gleiche CD kaufen, und dann eilig heimzufahren. Es passiert mir nicht mehr so oft, aber es ist immer noch unschlagbar.