Es gibt ein Bootleg von Lucinda Williams in Berlin, auf dem sie bei der Ansage zu einem Stück so einige Blueskünstler aufzählt, die sie beeindruckt und beeinflußt haben. Die meisten Namen sagen mir nichts, zugegeben, und auch im Publikum gibt es kaum Reaktionen, drei oder vier Leute, die johlen, als sie den Namen Steve Ray Vaughan hören. Lucinda Williams erwähnt, dass sie auch die White Stripes mag, und da applaudieren dann alle.

So würde die Musikindustrie funktionieren, erklärt die Sängerin den Leuten, sie würden applaudieren, weil sie die White Stripes aus dem Musikfernsehen kennen. Aber sie sollten sich nicht danach richten, es würde nichts bedeuten, ob man auf MTV gespielt wird oder nicht. Es sei jede Menge gute Musik da draußen, die man selber entdecken müsste. Sie sollten sich nicht von der Industrie erzählen lassen, was sie hören wollen und was nicht. Und wieder applaudieren die Leute.

Warum eigentlich? Ich steige nicht dahinter. Vielleicht applaudieren ja andere, als diejenigen, die bei White Stripes geklatscht haben. Dennoch: Es klingt, als würden sie ihre eigene Dummheit bejubeln.

Es ist nicht nur die Musikindustrie, es ist der ganze Laden, der so funktioniert, Bücher, Platten, Filme, Ausstellungen, Theater, Oper, Kultur ist eine Ware und sie wird vermarktet und die meisten von uns sind markthörig, auch wenn sie das nicht wahrhaben wollen.

Auch der ganze so genannte Alternative-Scheiß wird vermarktet und von Menschen gehört, die sich oft unglaublich individuell vorkommen, weil sie nicht dem billigen, langweiligen Mainstream verfallen sind. Dabei ist ihr Musikgeschmack genauso vorhersagbar, wie eine Komödie mit Queen Latifah.