Es gibt ja Themen, bei denen ich mich oft genug weigere, darüber zu schreiben. Es leuchtet mir nicht ein, daß auch ich versuchen soll im Dickicht der Meinungen meine eigene beizusteuern und damit einem überbewerteten Thema noch etwas mehr Gewicht zu verleihen. Aber wenn du in der Drogerie über Zahnbürsten mit schwarz-rot-goldenen Borsten stolperst, ist das möglicherweise ein Hinweis darauf, daß man sich dieser Weltmeisterschaft unmöglich entziehen kann.

Dabei finde ich Weltmeisterschaften toll, ehrlich. Ich war schon zweimal dabei, als die BMX Weltmeisterschaften in Köln ausgetragen wurden. Es ist sehr schwer wiederzugeben, wie sehr mich das beeindruckt hat. Vielleicht so: Ich wollte mir nach diesen jeweils drei oder vier Tagen unbedingt ein BMX Rad kaufen und bin derweil mit meinem normalen Fahrrad mit den Füßen auf der Querstange stehend, die Hände am Lenker die Rheinbrücke runtergefahren.

Es war so schön, all diese Jungs zu sehen, die ihren Sport leben, die sich in der Halfpipe beim Versuch eines Salto rückwärts mit dem Rad auf die Fresse legen, aufstehen und sich beeilen den gleichen Trick noch mal zu versuchen, weil ihre Zeit abläuft. Es war grandios zu sehen, wie meisterlich sie in guten Momenten ihre Räder und das Gleichgewicht beherrschten. Es war schön auf den T-Shirts zu lesen: „No fear – wounds heal“.

Auch dort gab es Sponsoren, Preisgelder und Ruhm und Ehre, aber letztlich kam es mir entspannter und ehrlicher vor, als jedes andere Sportereignis, das ich je besucht habe. Selbst als mein Bruder noch in der F-Jugend Fußball spielte, war die Stimmung angespannter und aggressiver, als im Kölner Jugendpark, wenn dort die besten um den Titel fahren. Die Eltern auf dem Fußplatz maßen dem Spaß ihrer Kinder allzugroße Bedeutung bei. Die BMXer messen ihrem Sport auch eine unglaubliche Bedeutung bei, er ist ihr Leben, hat es den Anschein. Aber genau deswegen kann man sich wahrscheinlich entspannen. Ist halt so, kein Grund zur Hysterie. Der an diesem Tag beste gewinnt und es interessiert nicht sonderlich, aus welchem Land er kommt. Auch der Zuschauer identifiziert sich mit dem Sport und nicht mit der Nationalität des Sportlers.

Fußball? Könnt ihr alleine gucken. Ich putzte mir aus Trotz nicht mal mehr die Zähne.