Vor etwa einem Menschenleben hat Federico García Lorca sehr darunter gelitten, dass er seine Impulse und Neigungen nicht ausleben konnte in einer Gesellschaft, in der Homosexualität nicht akzeptiert war. Im spanischen Bürgerkrieg soll man ihm in den Arsch geschossen haben, bevor man ihn endgültig exekutiert hat – weil er schwul war.

Heute ist Madrid die Schwulenhauptstadt Spaniens und Männer küssen sich in aller Selbstverständlichkeit auf der Straße. Wenn ich so etwas sehe, dann denke ich nicht darüber nach, wie schnell die sich Welt geändert hat und in was für einem wahnsinnigen Tempo wir leben. Ich denke nicht darüber nach, wie viel der einzelne in Europa im Laufe der letzten Jahrzehnte an persönlicher Freiheit gewonnen hat. Ich denke darüber nach, was diese Freiheit bringt und ob Lorca heute glücklicher wäre.

Viele Schwule sind promiskuitiv in einem Maße, wie heterosexuelle Männer es nur in ihren Tagträumen sind. Die meisten feiern lange, gerne und ausgiebig. Sie werden nur noch von einigen Rückständigen naserümpfend angesehen und haben sich eine eigene Subkultur aufgebaut. Wenn man als ausländischer Schwuler in den richtigen drei, vier Straßenzügen hier absteigt, fühlt man sich sicherlich schnell zu Hause. Ich habe keine Statistiken, nur persönliche Beobachtungen, aber es scheint so zu sein, dass in dieser Szene  deutlich mehr Drogen konsumiert werden als in vielen anderen.

Wenn ich mir viele dieser Männer ansehe, strahlt kaum einer die heitere Gelassenheit aus, die ich immer auf ein erfülltes Leben zurückführe. Irgendwie habe ich nicht das Gefühl, dass sie glücklich sind. Eher kommen sie mir gehetzt vor, sie wollen mehr. Mehr Sex, mehr Muskeln, besseres Aussehen, mehr Drogen, mehr Spaß, mehr Feiern. Ihr Leben scheint leer zu sein, dass sie es so zu füllen versuchen. Ich bin für individuelle Freiheit, sicher. Ich weiß nur nicht, warum.
Nicht nur bei den Schwulen, sondern auch sonst, scheint es mir so als ob sie einen auch nicht glücklicher machen würde.

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