Dass ich hier in Madrid öfter durch Straßen gehe, in denen Frauen sich prostituieren, hat nur am Rande damit zu tun, dass das eine leise Faszination auf mich ausübt. Viel mehr ist es so, dass diese Straßen ganz normale Einkaufsstraßen mitten im Zentrum sind.

Da viele Frauen sexy angezogen sind und die eine oder andere sich einfach nur unglücklicherweise vor dem McDonalds verabredet hat, kann man nicht immer sofort ausmachen, wer da für Geld steht und wer auf andere Gesellschaft wartet.

Eines Abends fiel mir eine junge Frau auf, weil ich sie attraktiv fand. Ich wusste nicht, auf wen sie wartete. Sie sah nicht aus wie eine Nutte in ihren tief hängenden Skaterhosen und ihrem Kapuzenpulli.

Als ich dieselbe Straße wieder zurückging, hat sie mich angesehen. Sie hat mich mit ihren dunklen, schönen Augen angesehen, dass kein Zweifel mehr bestand, was sie von mir wollte. Aber gleichzeitig war dieser Blick so offen, so rein, so klar, wie du ihn fast nie auf der Straße bekommst.

Sie hat mich in ihre Augen hineingelassen, hat eine Tiefe gezeigt, wie ich sie selten finde. Oft nicht mal bei diesen raren Menschen, denen vor gelassener Heiterkeit die Liebe aus den Augen quillt. Es gibt diese Momente, in denen du hängen bleibst im Inneren eines Anderen.