Es gibt Menschen, die glauben dass Kühe nicht schwimmen können, weil sie keinen Schließmuskel haben und im Wasser vollaufen würden. Das sind Menschen, die selber oft genug in Western gesehen haben, wie eine Herde durch einen Fluß getrieben wird. Scheinwahrheiten, die auf Hörensagen beruhen, wiegen oft schwerer als Erfahrung, wie fragwürdig sie in diesem Fall auch sein mag.

Ein weiterer weit verbreiteter Irrglaube ist, dass Kühe in Indien heilig sind. Nicht tot zu kriegen, nicht mit meinen Worten, nicht mit anderen, nicht mit Fakten und Beweisen. Es ist so arg, dass man als Klugscheißer und Korinthenkacker dasteht, wenn man das richtigstellt.

Ja, in Indien laufen Kühe unbehelligt auf den Straßen rum, ja, Hindus essen ihr Fleisch nicht, aber strenggläubige Hindus essen gar kein Fleisch. Moslems in Indien hingegen essen schon Rind. Ich will hier keine Haare spalten, aber Tiere, die man nicht ißt, sind nicht gleich heilig und auch andere Tiere laufen auf Indiens Straßen herum, Hunde, Katzen, Hühner. Aber die sind nicht groß und haben kaum Aussichten den Verkehr erheblich zu behindern, deswegen redet man nicht von ihnen.

Kühe behindern den Verkehr und gehören mehr oder weniger zum Straßenbild, ja. Aber heilig? Wissen die Leute überhaupt, was heilig heißt? Das Tier wird nicht verehrt, man sagt ihm keine Verbindung zum Göttlichen nach und in diesem ganzen riesigen Land mit seiner hinduistischen Eigenart alle möglichen Götter nebeneinander zu akzeptieren und anzubeten, in diesem Land, in dem zum Affengott, Elefantengott, zur mordenden Kali, zum Kuhhirten Krishna, sogar zu Ratten beten kann, in diesem Land gibt es keinen einzigen Tempel, der Kühen geweiht wäre. Keinen einzigen.

Niemand in Indien betet eine Kuh an oder glaubt, dass sie heilig wäre. Es sei denn, er ist von Westlern verdorben worden oder redet ihnen nach dem Mund. Man muss es nur oft genug wiederholen, dann glauben die Leute alles. Egal wie die Realität aussieht.