Nicht aus Mangel an Wundern, sondern an unsere Unfähigkeit uns zu wundern, wird die Welt zugrunde gehen, heißt es. © Norbert Bayer/ Zuender BILD

Es ist fast alltäglich geworden, daß sich Dinge aus der Luft mehr oder weniger materialisieren. Songs, Bilder, Informationen, Spiele, Programme, Klingeltöne, alles mögliche. Zunächst ist da nichts, nichts, das man sehen oder greifen könnte und hinterher ertönt eine Stimme aus den Boxen: Es wird ein Wunder geschehen, ich selbst habe schon hundert gesehen ...

Klar, man kann das erklären. Doch es übersteigt mein Vorstellungsvermögen, dass all dieser Kram beim Downloaden aus der Luft kommt. Mit einem Kabel kann ich es auch nicht verstehen, aber dass die Dateien durch die Luft meiner Wohnung transportiert werden ist nichts geringeres als ein Wunder.

Und auch, dass ich eine nicht allzu lange Ziffernfolge wählen kann und mich hinterher mit jemandem unterhalten, der gerade zwei Kontinente weiter weg ist. Und nicht nur mit jemandem, sondern auch noch mit genau der Person, mit der ich wollte. Wunder. Nichts Geringeres.

Im Supermarkt Mangos aus Brasilien kaufen, während vor zwanzig Jahren kaum jemand hier wusste, wie die überhaupt schmecken.

Navigationssysteme in Autos.

Aber wenn um Geister geht, um Gott, Wiedergeburt, Spontanheilungen, Erleuchtung, Gespräche mit Verstorbenen, dann werden die Menschen schnell skeptisch und vermuten Betrug. Möglicherweise sogar zu Recht. Darum geht es nicht.

Wir wollen uns nicht meistens wundern, wir wollen nicht in Ehrfurcht erstarren und denken: Fuck, das ist Magie, Geheimnis, Hexerei, Zauber.