Vor einem halben Jahr etwa verfiel Michel auf diese Masche mit der kaputten Platte. Er behauptete, es beruhe auf einem pädagogischen Prinzip. Wenn das Kind etwas haben wollte oder nicht machen wollte, lässt man sich auf keine Diskussion ein, sondern wiederholt einfach stur und emotionslos die Aussage, bis sie irgendwann endlich angekommen ist. Du bekommst jetzt kein Eis. Du bekommst jetzt kein Eis. Du bekommst jetzt kein Eis.

Er war fasziniert von dieser neu entdeckten Methode der Welt zu begegnen. Einfach nicht mehr diskutieren, sondern auf stur schalten und sich mit einem Sprung in der Platte durchsetzen. So einfach war das. Wofür hatte man jahrelang Argumente und Gegenargumente ausgetauscht, diskutiert, geschrien und gebrüllt, wenn es auch so einfach ging.

Das ist das Schlimme an neuen Erkenntnissen, man glaubt immer, sie würden das Leben dauerhaft verändern.

Dann war es an der Zeit, dass es ein neues Cover für seine CD geben sollte. Die Grafikerin mailte ihm Vorschläge, die ihm nicht gefielen. Er mailte zurück, begründete seine Meinung und versuchte zu beschreiben, was ihm vorschwebte.

Sie mailte ihm Vorschläge, die sich kaum von den vorherigen unterschieden. Er mailte seine Meinung und versuchte zu beschreiben, was ihm vorschwebte. Sie mailte neue Vorschläge, die sich kaum von den vorherigen unterschieden.

- Ja, liest die denn meine Mails überhaupt, regte er sich auf. Merkt die denn gar nichts mehr?

- Naja, vielleicht hat sie von deiner Kaputte-Platte-Taktik gehört, erinnerte ich ihn.